Konzept
  Soziale Arbeit und Polizei im europäischen Kontext von Fanbetreuung

Soziale Arbeit und Polizei im europäischen Kontext von Fanbetreuung

Polizei und sozialpädagogische Fanprojekte haben häufiger gleiche Zielgruppen, arbeiten oftmals zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Sie sind zur Zusammenarbeit aufgefordert, um zur Eindämmung von Gewalt beizutragen. Bisher finden sich jedoch trotz zehnjähriger Felderfahrung keine strukturierten Beschreibungen, wie sich eine Zusammenarbeit im Alltag der Institutionen umzusetzen vermag. Vielmehr herrschen in der direkten Beziehung eher Verunsicherungen, Abgrenzungen und sogar negative Zuschreibungen vor, die die Beziehungen der jeweiligen Akteure zum Teil schwer belasten.

Diese Teilstudie erschließt ein bisher kaum reflektiertes Praxis- und Forschungsfeld. Sie wird Entwicklungslinien der Arbeit in der Schnittstelle von Polizei und Fanprojekten nachzeichnen, den aktuellen Stand der Diskussion ermitteln und Empfehlungen für Möglichkeiten und Grenzen einer Zusammenarbeit von Fanprojekten und Polizei im Kontext von Fanbetreuung erarbeiten. Zunächst gilt es wesentliche Basisinformationen zur Beziehung von Polizei und Sozialarbeit im Kontext von Fanbetreuung zu erheben und zu analysieren. Schwerpunktmäßig werden die Foschungsarbeiten vier Handlungsebenen (Typisierung von System und Akteuren) umfassen. Auf der individuellen Ebene gilt es, fallbezogene Einzelkontakte zwischen Polizei und Fanprojekten zu untersuchen (z.B.: Was sind das für Kontakte? Gibt es abgestimmte Mechanismen und/oder bereits Routinen?). Die gruppenbezogene Ebene erkundet die Kontakte von Polizei und Fanprojekten in der Arbeit mit verschiedenen Gruppierungen in den jeweiligen Fanszenen (z.B.: Gibt es Unterschiede/Gemeinsamkeiten? Gibt es einen Austausch über Einschätzungen und Vorgehensweisen?). Die szenebezogene Ebene lenkt den Blick auf die lokalen/regionalen Auffälligkeiten (z.B.: Gibt es besondere Szenen? Wie gestaltet sich die Beziehung von Polizei und Fanprojekten im Umgang mit diesen lokalen/regionalen Szenen?). Schließlich liegt in der Betrachtung der systemischen Ebene der Fokus auf dem nationalen Diskurs zur Beziehung von Fanprojekten und Polizei (z.B.: Gibt es verbindlich festgeschriebene Anforderungen/Rahmenbedingungen für den Umgang auf nationaler, regionaler, lokaler Ebene? Gibt es überregionale Diskussionszusammenhänge? Gibt es einen gemeinsamen/einen institutionsbezogenen "mainstream"?). Die Basisdaten zu den ausgeführten Handlungsebenen werden mit Blick auf vier Themenbereiche (Zeitdimension) erhoben und analysiert: Entwicklungslinien/-geschichte - Stand der Praxisentwicklung - Praxiserfahrungen - aktuelle zentrale Diskussionen.

Um den Blick über die deutsche Praxis hinaus zu öffnen, ist es beabsichtigt, aus fünf europäischen Ländern (England, Niederlande, Belgien, Österreich, Schweiz) leitfadengestützte Expertisen von Fachexperten erstellen zu lassen und diese Erkenntnisse in den Forschungsprozess einfließen zu lassen.

Die Ergebnisse der Studie sollen die Handlungssicherheiten der Institutionen im gegenseitigen Umgang stärken, um so die Qualität von Maßnahmen zur Fanbetreuung zu erhöhen. Die Einbindung der Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern gewährleistet einen grenzüberschreitenden Wissenstransfer und erweitert die Möglichkeiten, sich differenzierte Zugänge zur Kooperation in der Fanbetreuung und adäquate Handlungsstrategien für alle am Prozess Beteiligten zu erschließen.