Konzept
  Ausgangslage 

Ausgangslage

Den letzten großen Untersuchungen im Bereich des Zuschauersports Fußball wurde seinerzeit große Beachtung geschenkt, da sie weitgehend in den Zeitraum der Entwicklung und Implementierung des Nationalen Konzepts "Sport und Sicherheit" (1992) fielen. Die für den Bereich der Gewalt beim Fußball lange Zeit maßgebliche Untersuchung zu "Ursachen, Prävention und Kontrolle von Gewalt" der sogenannten "Gewaltkommission" der Bundesregierung (1990) hatte sich in einem Sondergutachten der Gewalt beim Fußball ebenso gewidmet wie es eine Reihe polizeilicher Untersuchungen gab. Inspiriert von dieser Untersuchung entstand aus einer Kooperation des Bundesministeriums für Frauen und Jugend (BMFJ) und dem Bundesinstitut für Sportwissenschaften (BISP) die "Evaluation der Arbeit der Fanprojekte", durchgeführt vom Hamburger Institut für Jugendkulturforschung (1990/1991).

Seit der Verabschiedung des Nationalen Konzepts (1992) liegen kaum wissenschaftliche Untersuchungen zum Untersuchungsfeld vor, und wenn, dann waren Fußballfans vorwiegend als Objekte und Fanprojekte lediglich als Partizipienten unter Gewaltaspekten relevante Untersuchungsgegenstände. Die Berliner Senatsverwaltung für Inneres gab einen "Endbericht der Unabhängigen Kommission zur Verhinderung und Be-kämpfung von Gewalt in Berlin" mit einem Teilbericht "Sport und Gewalt" (1995) heraus, der seinen Fokus jedoch ausschließlich auf Berlin richtete, das Bundesministerium des Inneren (BMI) förderte ein Forschungsprojekt "Hooliganismus in Deutschland: Ursachen, Entwicklung, Prävention und Intervention" der Universität Erlangen (2001).

In der Zeit nach Verabschiedung des Nationalen Konzeptes hat sich die Fußballfanszene nachhaltig verändert. Mit dem Auftreten der Ultra-Bewegung erhielt sie nicht nur ein farbenfroheres Bild, sondern insgesamt einen gewaltigen Modernisierungsschub. Hiermit veränderten sich auch die Rahmenbedingungen für eine zeitgemäße Polizei- wie Sozialarbeit, denen bislang - außer im Sinne von Erfahrungswissen - wenig adäquate Beachtung geschenkt wurde.

Um wieder zu einer gesicherten, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Grundlage zu gelangen - auch um die umsichtigen Planungen für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in unserem Lande angehen zu können - wird gefördert durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaften - die Studie "Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball - Notwendigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Reaktionen" in den drei Teilen

1. Ultraszene Deutschland,

2. Polizei und Sozialarbeit im europäischen Kontext von Fanbetreuung,

3. Rassismus und Rechtsextremismus im Zuschauerverhalten und Entwicklung von Gegenstrategien

Durchgeführt und somit ein qualitatives Fundament für die Partner im nationalen Koordinatensystem geschaffen.