Konzept
  Ultra-Szene in Deutschland 

Ultra-Szene in Deutschland

Mit der Teilstudie "Ultraszene in Deutschland" wird ein analysierender Blick auf die Entwicklung der Fußballfanszene und auf die wachsende Popularität der Ultras geworfen. Waren es Anfang der 80er Jahre noch die Hooligans, die hauptsächlich durch gewalttätige Eskalationen im Stadion auffielen, sind es heute die Ultras, die nach italienischem Vorbild mit Bengalischem Feuer und überlangen Transparenten mit provokanten Sprüchen gegen Konkurrenten, gegen die Kommerzialisierung des Sports oder gegen eine für Zuschauer unfreundliche Vereinspolitik auf sich aufmerksam machen. Vor allem junge Fußballfans finden diese erlebnisorientierte Art der Vereinsunterstützung faszinierend. Mit "ihrer modernen und aktuellen "Kultur des Anfeuerns" rauben die Ultras den Hooligans den Nachwuchs.

Haben die "Kreativen" mittlerweile die "Schläger" im Stadion vertrieben, oder treten die Ultras nur direkt in die erlebnisorientierten Fußspuren der Hools? Was hat sich verändert, und was bedeutet die Szene für die Extrem-Supporter? Auch wenn in Italien bereits seit über 30 Jahren von Ultragruppierungen die Rede ist, handelt es sich in Deutschland dabei heute immer noch um eine neuere, unerforschte Fußballfanbewegung. Die optisch-akustische Imitation südeuropäischer Vorbilder (Stammkultur) und deren Umdeutung in einen eigenen Sinnzusammenhang (Subkultur) bedeutet jedoch noch lange nicht, dass sich die deutschen Gruppen an den problematischen Vorbildern, wie zum Beispiel den Anhängern von Lazio Rom, orientieren. Da bisher eigenständige Abhandlungen zur Ultra-Szene in Deutschland noch nicht vorliegen - nur vereinzelte Aufsätze, Zeitungsartikel, unveröffentlichte Diplom-, Magister- oder Examensarbeiten -, ist eine erkenntnistheoretische und an den Methoden der Aktionsforschung angelehnte Grundlagenforschung zur deutschen Ultraszene längst überfällig.

Die Studie wird die Transformationsleistung in ihren hiesigen Zusammenhängen untersuchen und interpretieren, ihren Organisierungsgrad, ihre Internationalität und ihre Codes erforschen und die Identitätsfrage der deutschen Ultras zu klären. Außerdem gilt es Wege aufzuzeigen, um die Umgangsweisen von Polizei, Ordnungskräften, Verbands-/Vereinsvertretern, Medien, Jugend- und Sozialarbeit u.a. auf die spezifischen Verhaltensweisen der Ultras abzustimmen. Denn zu fast jedem Verein der 1., 2. und 3. Liga gibt es eine oder mehrere Fangruppe/n, die sich selbst als Ultras bezeichnen. Die Gesamtentwicklung befindet sich aber immer noch am Anfang, und selbst Szenekundige Polizeibeamte (SKB), Fanprojektmitarbeiter/innen und Vereinsfunktionäre verfügen über kein einheitliches Bild der Szene.